
Sie kam leise. Mit einem Rucksack voller Potenzial – und einem Herzen voller Ehrgeiz. Zwei Jahre später verlässt sie Werder als Nationaltorhüterin, EM-Gesicht und Führungsspielerin. Nicht, weil ihr alles zuflog – sondern weil sie sich alles erarbeitet hat. Mit Haltung, mit Geduld und mit Charakter. Und Werder? War mehr als ein Verein. Werder war ihr Fundament. Und vielleicht auch ein kleines Stück Zuhause.
Es gibt Karrieren, die beginnen mit Schlagzeilen. Und dann gibt es die, die sich still entwickeln – aus eigener Kraft, mit Haltung, Schritt für Schritt. Die Geschichte von Livia Peng ist so eine. Und sie ist eng mit Werder Bremen verbunden.
Ein Talent mit Haltung
Als Livia im Sommer 2023 an die Weser kam, galt sie als großes Talent – ruhig, konzentriert, voller Potenzial. Doch in Bremen wartete keine leichte Aufgabe. Ihre direkte Konkurrentin war niemand Geringeres als Catalina Pérez, Kolumbiens Nationaltorhüterin, die nur kurz zuvor bei der Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland mit ihrem Team für Furore gesorgt hatte.
Viele rechneten damit, dass Pérez die klare Nummer 1 sein würde. Doch Livia ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie arbeitete. Still, fokussiert, diszipliniert. Und sie nutzte jede Chance.
Mit ihren Paraden, ihrer Präsenz auf der Linie und ihrer Ruhe im Spielaufbau überzeugte sie Trainerteam und Mannschaft – und setzte sich überraschend, aber verdient durch. Was als offenes Duell begann, endete mit Klarheit: Livia Peng war fortan Werders Nummer 1.
Große Bühne, klare Haltung
In ihrer zweiten Saison wurde sie endgültig zur Führungsspielerin. Ob im Liga-Alltag oder auf großer Bühne – sie war da. Im ausverkauften Volksparkstadion vor 57.000 Fans gegen den HSV. Im DFB-Pokalfinale vor 44.000 Zuschauer*innen in Köln gegen den FC Bayern München. Immer konzentriert, immer präsent. Und immer sie selbst.

Was sie besonders machte, ging über das Sportliche hinaus: Livia sprach nie laut, aber klar. Ihre Interviews: ruhig, reflektiert, uneitel. Ihr Auftreten: geerdet, bodenständig, teamorientiert. Sie war nie auf der Suche nach dem Scheinwerfer – doch der Scheinwerfer fand sie.
EM 2025: Die späte Krönung
Im Herbst 2024 fiel im Schweizer Nationalteam eine Entscheidung: Livia sollte bei der Heim-EM 2025 nicht die Nummer 1 sein. Nach Jahren im erweiterten Kader, nach ständiger Konkurrenz – ein Rückschlag.
Doch sie blieb sich treu. Leistete weiter, Woche für Woche. Und dann – kurz vor dem Turnier – kam der Moment, der alles veränderte: Livia wurde doch noch ins Tor gestellt.
Sie nutzte diese Bühne, wie sie jede genutzt hatte: mit Klasse. Gemeinsam mit der Nati schrieb sie Geschichte: Erstmals erreichte die Schweiz die K.o.-Phase einer Frauen-Europameisterschaft. Im Viertelfinale forderten sie die Weltmeisterinnen aus Spanien – und hielten lange stark dagegen. Livia war der Rückhalt. Die Ruhe. Die Konstante in einem Sommer, der den Schweizer Frauenfußball nachhaltig geprägt hat.
Werder als Fundament
Dass Livia diesen Weg gehen konnte, ist auch ein Stück Werder-Geschichte. Hier wurde ihr vertraut. Hier durfte sie sich entwickeln. Nicht durch große Versprechungen – sondern durch geduldige Arbeit und echtes Zutrauen.
Sie kam als Nachwuchstalent. Sie ging als Nationaltorhüterin, EM-Gesicht und Führungsspielerin.
Und am Ende erzählt ihre Geschichte auch etwas über diesen Verein: Werder kauft keine Stars. Werder macht sie möglich.
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