Unter schwierigen Voraussetzungen nach München
Die vergangenen Wochen hatten den Werder-Frauen einiges abverlangt. Eine Krankheitswelle hatte die Mannschaft so stark getroffen, dass die Bundesligapartie gegen die TSG Hoffenheim am 18. Oktober abgesagt werden musste. Anschließend folgte eine intensive englische Woche mit dem DFB-Pokal-Achtelfinale in Mainz, das erst nach 120 Minuten entschieden wurde. Viel Zeit zur Erholung blieb vor dem Auswärtsspiel beim FC Bayern nicht.
Cheftrainerin Fritzy Kromp war sich der schwierigen Aufgabe bewusst. Im Interview unmittelbar vor dem Anpfiff sprach sie über die Heimstärke und die enorme Qualität der Münchnerinnen, machte aber zugleich deutlich, dass Werder den Schwung aus den vergangenen Spielen mitnehmen wollte. Eine kleine Besonderheit gab es bereits bei der Anreise: Diesmal war die Mannschaft mit dem Flugzeug nach München gekommen.
Im Vergleich zum Pokalspiel in Mainz nahm Kromp zwei Veränderungen in der Startelf vor. Lilli Purtscheller und Tuana Mahmoud begannen für Isabella Jaron und Mei Shimada.
Besonders erfreulich war Mahmouds Rückkehr in die Anfangsformation. Nach ihrem Kreuzbandriss stand sie erstmals wieder von Beginn an auf dem Platz. Ein wichtiger Schritt nach ihrer langen Verletzungspause.
Startelf: Fischer – Weiß, Ulbrich, Gutmann, Zieniewicz – Wirtz, Hipp – Purtscheller, Vanzeir, Mahmoud – Dhont
Ersatzbank: Farwick – Penner, Sträßer, Mühlemann, Gmeineder, Jaron, Shimada, Dešić, Ernst
Mutiger Beginn, aber Bayern trifft
Die Gastgeberinnen machten früh deutlich, weshalb sie zu den stärksten Mannschaften der Liga gehören. Bereits in der zweiten Minute verfehlte Sarah Mattner das Bremer Tor nur knapp.
Doch Werder ließ sich davon nicht beeindrucken. Die Mannschaft arbeitete geschlossen gegen den Ball, zeigte sich aufmerksam in den Zweikämpfen und versuchte, auch spielerisch eigene Akzente zu setzen.
In der 18. Minute bot sich sogar die große Gelegenheit zur Führung. Tuana Mahmoud brachte den Ball von rechts gefährlich in den Strafraum, wo Juliane Wirtz aus kurzer Entfernung zum Abschluss kam. Ihr Versuch geriet allerdings zu zentral, sodass Bayerns Torhüterin Regina van Eijk parieren konnte.
Nur drei Minuten später folgte der Rückschlag. Nach einer Flanke von Mattner setzte sich Edna Imade im Kopfballduell gegen Michelle Ulbrich durch und köpfte zur Münchner Führung ein.
Mit dem 1:0 im Rücken übernahmen die Gastgeberinnen zunehmend die Spielkontrolle. Werder musste viel Laufarbeit verrichten, hielt aber diszipliniert dagegen.
Für einen Schreckmoment sorgte die 35. Minute, als Vanessa Fischer nach einem Zusammenprall mit Pernille Harder behandelt werden musste. Die Bayern-Stürmerin sah die Gelbe Karte. Glücklicherweise konnte die Bremer Torhüterin weiterspielen.
Kurz vor der Pause meldeten sich die Werder-Frauen auch offensiv zurück. Besonders über die rechte Seite sorgten Mahmoud und Purtscheller für Gefahr. Purtscheller kam selbst zum Abschluss, wenig später verpasste Elena Dhont eine Hereingabe nur knapp.
So ging es mit einem 0:1-Rückstand in die Kabinen. Die Schlussphase hatte jedoch gezeigt, dass Werder durchaus Möglichkeiten besaß, den Favoritinnen gefährlich zu werden.
Dhont beendet lange Torflaute gegen Bayern
Nach dem Seitenwechsel knüpften die Bremerinnen an ihre gute Phase vor der Pause an und wurden belohnt.
In der 50. Minute kombinierten sich Lilli Purtscheller und Tuana Mahmoud über die rechte Seite nach vorne. Die Hereingabe fand Elena Dhont, die im richtigen Moment eingelaufen war und zum 1:1 traf.
Ein Treffer mit besonderer Bedeutung: In den vergangenen 13 Bundesligaduellen gegen den FC Bayern war Werder kein einziges Tor gelungen. Nun hatte Dhont diese lange Serie beendet.
Für Mahmoud war die Beteiligung am Ausgleich ein weiterer schöner Moment bei ihrem ersten Startelfeinsatz nach dem Kreuzbandriss.
Gemeinsam gegen den Münchner Druck
Nach dem Ausgleich erhöhten die Gastgeberinnen den Druck. Bayern wollte die erneute Führung erzwingen, doch Werder stemmte sich mit aller Kraft dagegen.
Die Bremerinnen verteidigten gemeinsam, halfen sich gegenseitig und versuchten, die Angriffe der Münchnerinnen abzufangen. In der 70. Minute verhinderte die eingewechselte Marie Gmeineder mit einer wichtigen Rettungsaktion vor Linda Dallmann eine große Torchance.
Bayern bestimmte nun weitgehend das Spiel, während Werder nur noch selten zu eigenen Angriffen kam. Die Mannschaft musste viel investieren, blieb aber lange konzentriert. Ob die hohe Belastung der vergangenen Tage in der Schlussphase eine Rolle spielte, lässt sich nicht sicher beurteilen.
Mit jeder weiteren Minute rückte ein möglicher Punktgewinn näher. Doch in der 84. Minute gelang Bayern schließlich die erneute Führung. Vanessa Fischer konnte einen Abschluss zunächst noch abwehren, beim Nachschuss von Linda Dallmann war sie jedoch machtlos.
Nur drei Minuten später erhöhte Jovana Damnjanović auf 3:1 und sorgte damit für die Entscheidung.
Schade, denn die Werder-Frauen hatten lange dagegengehalten. Das Ergebnis fiel am Ende deutlicher aus, als es der über weite Strecken offene Spielstand vermuten ließ.
Unser Fazit: Eine Leistung, die Respekt verdient
Natürlich hätten wir den Werder-Frauen nach diesem Auftritt einen Punktgewinn von Herzen gegönnt. Doch auch ohne etwas Zählbares nehmen wir viele positive Eindrücke aus München mit.
Werder spielte mutig, erarbeitete sich Chancen und kämpfte sich nach einem Rückstand zurück. Auch als Bayern zunehmend die Kontrolle übernahm, blieb die Mannschaft geschlossen und machte es dem deutschen Meister lange schwer.
Gerade angesichts der schwierigen vergangenen Wochen verdient dieser Einsatz Anerkennung. Die Spielerinnen haben gezeigt, dass sie auch gegen einen Gegner dieser Qualität mit Leidenschaft und Zusammenhalt bestehen können.
Am Ende stehen keine Punkte, aber eine Leistung, auf die das Team aufbauen kann. Die Werder-Frauen haben sich in München teuer verkauft und dürfen trotz der Niederlage mit erhobenem Kopf nach Bremen zurückkehren.
Nun gilt es, neue Kräfte zu sammeln. Mit Union Berlin wartet bereits die nächste Aufgabe auf die Werder-Frauen.
Spielstatistik
FC Bayern München: van Eijk – Mattner (64. Gwinn), Gilles (63. Eriksson), Ballisager, Naschenweng (69. Kett) – Potsi, Amani – Dallmann, Harder, Şehitler (64. Tanikawa) – Imade (75. Damnjanović)
SV Werder Bremen: Fischer – Weiß, Ulbrich, Gutmann, Zieniewicz – Wirtz (74. Jaron), Hipp – Purtscheller (88. Ernst), Vanzeir (60. Gmeineder), Mahmoud (60. Sträßer) – Dhont (71. Shimada)
Tore: 1:0 Imade (21.), 1:1 Dhont (50.), 2:1 Dallmann (84.), 3:1 Damnjanović (87.)
Gelbe Karten: Harder, Imade, Gilles / Weiß, Shimada, Ulbrich
Schiedsrichterinnenteam: Karoline Wacker, Silke Fritz, Simone Hoffmann und Sina Gieringer
Spielort: FC Bayern Campus, München
Zuschauer*innen: 2.500
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