Die WERDERFRAUEN gingen nach einer überzeugenden ersten Halbzeit und den Treffern von Luna Vanzeir und Michelle Weiß mit einer 2:0-Führung in die Pause. Doch Leverkusen kam entschlossener zurück, glich innerhalb von zwei Minuten aus und drehte die Partie noch zum 3:2. Eine Niederlage, die weh tut, aber nicht vergessen lässt, wie viel Qualität dieses Team bereits gezeigt hat.
Fußball kann manchmal ziemlich grausam sein. Eine Mannschaft kann vieles richtig machen, sich eine verdiente Führung erarbeiten und trotzdem mit leeren Händen dastehen. Der Freitagabend in Leverkusen war genau so ein Spiel.
Natürlich schmerzt eine Niederlage nach einer 2:0-Pausenführung besonders. Trotzdem wäre es falsch, diesen Abend nur auf die schwachen Minuten nach dem Seitenwechsel zu reduzieren. Werder zeigte zuvor eine Halbzeit, die Mut macht und deutlich werden ließ, welches Potenzial in diesem neu formierten Team steckt.
Bayer 04 Leverkusen – SV Werder Bremen 3:2 (0:2)
Freitag, 2. Oktober 2026, 18:30 Uhr
Ulrich-Haberland-Stadion
Kurzfristiger Wechsel im Bremer Tor
Schon vor dem Anpfiff musste Werder umplanen. Mariella El Sherif fiel kurzfristig krankheitsbedingt aus. Deshalb stand Vanessa Fischer nach ihrem Einsatz im DFB-Pokal beim VfL Bochum erneut zwischen den Pfosten und kam zu ihrem ersten Ligaeinsatz der Saison. Thea Farwick nahm erstmals als Ersatztorhüterin auf der Bank Platz.
Im Vergleich zum Pokalerfolg veränderte Cheftrainerin Fritzy Kromp ihre Startelf auf zwei Positionen. Mei Shimada und Isabella Jaron kehrten für Lilli Purtscheller und Medina Dešić in die Anfangsformation zurück. Nach überstandener Erkrankung gehörte auch Julia Magerl wieder zum Kader.
Werder-Startelf:
Vanessa Fischer – Wiktoria Zieniewicz, Sarah Gutmann, Michelle Ulbrich, Michelle Weiß – Juliane Wirtz – Isabella Jaron, Jenny Hipp, Luna Vanzeir, Elena Dhont – Mei Shimada
Ersatzbank:
Thea Farwick – Julia Magerl, Marie Gmeineder, Lilli Purtscheller, Medina Dešić, Tuana Mahmoud, Elena Mühlemann, Felicia Sträßer, Sarah Ernst
Eine erste Halbzeit, die Mut macht
Die Begegnung begann mit einer Schrecksekunde. Nach einem Fehler in der Leverkusener Abwehr ging Mei Shimada entschlossen zum Ball und prallte dabei mit Torhüterin Rafaela Borggräfe zusammen. Die Japanerin musste kurz behandelt werden, konnte anschließend aber weiterspielen.
Danach fand Werder immer besser in die Partie. Nach einer Flanke von Michelle Weiß setzte Luna Vanzeir einen Kopfball neben das Tor. Wenig später schickte Weiß die Belgierin mit einem guten Pass auf die Reise. Vanzeir ging bis zur Grundlinie und legte in den Rückraum, doch Elena Dhonts Abschluss geriet zu zentral.
Die Grün-Weißen blieben am Drücker. Vanzeir versuchte es aus halblinker Position, weitere Abschlüsse folgten. Auch einen missglückten Pass von Borggräfe fing Werder ab, doch die Leverkusener Torhüterin konnte ihren Fehler noch selbst ausbügeln. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Team von Fritzy Kromp die Begegnung zunehmend unter Kontrolle.
In der 22. Minute wurde es erneut still im Stadion. Borggräfe prallte bei einer Abwehraktion mit einer Bremer Spielerin zusammen und blieb verletzt liegen. Die Partie war mehrere Minuten unterbrochen. Schiedsrichterin Julia Boike entschied auf Strafstoß und zeigte der Leverkusener Torhüterin die Gelbe Karte. Für Borggräfe ging es nicht weiter, Charlotte Voll wurde eingewechselt. Wir wünschen Rafaela Borggräfe eine schnelle und vollständige Genesung.
Luna Vanzeir musste lange auf die Ausführung des Elfmeters warten, blieb aber ruhig. In der 26. Minute verwandelte sie den Strafstoß sicher zur verdienten Bremer Führung.
Nur fünf Minuten später durfte Werder erneut jubeln. Michelle Weiß fasste sich aus der Distanz ein Herz. Ihr Schuss wurde von Selina Ostermeier noch entscheidend abgefälscht und schlug unhaltbar zum 2:0 im Leverkusener Tor ein.
Werder hatte sich diese Führung verdient. Das Team spielte aufmerksam, gewann viele wichtige Zweikämpfe und ließ Leverkusen trotz längerer Ballbesitzphasen kaum gefährlich werden. Im Rückblick bleibt lediglich der Wermutstropfen, dass der dritte Treffer nicht mehr fiel. Die Möglichkeiten, das Spiel bereits vor der Pause deutlicher auf die eigene Seite zu ziehen, waren vorhanden.
Leverkusen verändert das Spiel
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich ein anderes Bild. Leverkusen kam mit mehr Entschlossenheit aus der Kabine und erhöhte sofort den Druck. Die eingewechselte Marlene Müller brachte neuen Schwung in das Spiel der Gastgeberinnen und suchte mehrfach den Abschluss.
In der 54. Minute setzte sich Loreen Bender auf der rechten Seite durch und brachte den Ball von der Grundlinie ins Zentrum. Cornelia Kramer war beim ersten Kontakt zur Stelle und verkürzte auf 1:2.
Werder blieb kaum Zeit, sich zu sammeln. Nur zwei Minuten später köpfte Kramer eine Ecke von Estrella Merino zum Ausgleich ins Tor. Innerhalb von zwei Minuten war aus der 2:0-Führung ein 2:2 geworden. Solche Momente hinterlassen Spuren, gerade bei einer Mannschaft, die noch dabei ist, sich in vielen Bereichen neu zu finden.
Fritzy Kromp reagierte und brachte zunächst Lilli Purtscheller für Mei Shimada. Wenig später kamen Medina Dešić und Marie Gmeineder für Isabella Jaron und Jenny Hipp. Die Grün-Weißen bemühten sich darum, wieder mehr Ruhe und Ordnung in das eigene Spiel zu bekommen.
Die Begegnung wurde nun zunehmend zerfahren. Viele kleine Unterbrechungen und zahlreiche Verwarnungen nahmen Werder zusätzlich den Rhythmus. Leverkusen blieb in dieser Phase gefährlicher. Ein weiterer Treffer der Gastgeberinnen fand zunächst keine Anerkennung, war aber ein deutliches Warnsignal.
In der 81. Minute war die Partie schließlich gedreht. Nach Vorarbeit von Paulina Tomasiak erzielte die kurz zuvor eingewechselte Lobke Loonen das 3:2 für Bayer 04.
Mit Tuana Mahmoud und Felicia Sträßer brachte Werder noch einmal zwei frische Kräfte. Das Team gab sich nicht auf und versuchte bis in die Nachspielzeit, wenigstens einen Punkt zu retten. Auch nach einer späten Ecke wurde es noch einmal unübersichtlich, der Ausgleich wollte jedoch nicht mehr fallen.
Konstanz ist eine Aufgabe, kein Urteil
Dass diese Niederlage wehtut, muss niemand kleinreden. Wer mit 2:0 führt und am Ende 2:3 verliert, wird sich über viele einzelne Situationen ärgern. Die Spielerinnen werden selbst wissen, dass an diesem Abend mehr möglich war.
Gleichzeitig zeigt die Partie, dass dem Bremer Spiel noch die notwendige Konstanz fehlt. Das Team kann einen starken Gegner kontrollieren, mutig nach vorne spielen und sich gute Möglichkeiten erarbeiten. Noch gelingt es aber nicht zuverlässig, dieses Niveau über die gesamten 90 Minuten zu halten. Das ist ein Problem, an dem gearbeitet werden muss. Es ist aber kein Urteil über die Qualität dieser Mannschaft.
Auch im Umgang mit der engen Linie des Schiedsrichterinnengespanns war Leverkusen nach der Pause cleverer. Die Gastgeberinnen nahmen Kontakte in aussichtsreichen Positionen geschickt an und kamen dadurch immer wieder zu Standardsituationen. Werder erkannte diese Möglichkeit zu selten und versäumte es zugleich, den Spielfluss des Gegners durch eigene taktische Fouls rechtzeitig zu unterbrechen.
Das hat nichts mit fehlendem Einsatz zu tun. Es sind Erfahrungen im Umgang mit schwierigen Spielphasen, die ein neu formiertes Team erst gemeinsam sammeln muss. Nach dem großen Umbruch im Sommer verläuft diese Entwicklung nicht ohne Schwankungen. Solche Abende gehören leider dazu, auch wenn sie im ersten Moment wenig Trost bieten.
Die gute erste Halbzeit wird durch das Ergebnis nicht wertlos. Sie ist mehr als nur ein kleiner Trost. Sie zeigt, wozu dieses Team bereits fähig ist, wenn Abläufe, Mut und Konzentration zusammenkommen. Genau daran kann Werder anknüpfen.
Enttäuschung und Rückhalt schließen sich nicht aus. Fehler dürfen benannt werden, ohne eine Mannschaft nach einer bitteren Niederlage kleinzumachen. Werder steht noch am Anfang eines neuen Weges. Dieser Abend war ein Rückschlag, aber kein Grund, an diesem Weg zu zweifeln.
Viele Werderfans geben Rückhalt
Unter den 1.102 Zuschauer*innen im Ulrich-Haberland-Stadion waren viele Werderfans. Sie machten sich immer wieder lautstark bemerkbar und unterstützten das Team bis zum Schlusspfiff. Gerade nach dem Ausgleich und dem späteren Rückstand war dieser Rückhalt deutlich zu hören.
Natürlich hätten sich alle einen anderen Ausgang gewünscht. Doch Unterstützung zeigt sich nicht nur nach Siegen. Manchmal besteht sie auch darin, gemeinsam einen Abend auszuhalten, der weh tut, und beim nächsten Spiel wieder hinter dem Team zu stehen.
Nun bleibt Zeit, die Begegnung in Ruhe aufzuarbeiten, durchzuatmen und neue Kraft zu sammeln. Nach der Pause im Ligabetrieb empfangen die WERDERFRAUEN am Sonntag, 18. Oktober 2026, um 16:00 Uhr die TSG Hoffenheim auf Platz 11.
Tore:
0:1 Luna Vanzeir (26., Foulelfmeter)
0:2 Michelle Weiß (31.)
1:2 Cornelia Kramer (54.)
2:2 Cornelia Kramer (56.)
3:2 Lobke Loonen (81.)
Zuschauer*innen: 1.102
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