Lebenslang Grün-Weiß

300 Spiele, ein Tor und die nächste Runde: Michelle Ulbrich macht ihren besonderen Tag perfekt

Das Drehbuch hätte kaum passender sein können: In ihrem 300. Pflichtspiel für Werder erzielte Michelle Ulbrich das einzige Tor des Nachmittags. Die WERDERFRAUEN setzten sich beim VfL Bochum mit 1:0 durch und stehen in der nächsten Runde des DFB-Pokals. Glanzvoll war der Erfolg nicht, verdient aber allemal.

Ein Pokalspiel bei einem Zweitligisten klingt auf dem Papier nach einer klaren Aufgabe. Auf dem Rasen wurde es jedoch die erwartete Geduldsprobe. Bochum verteidigte diszipliniert, machte die Räume eng und blieb bis zum Schluss im Spiel. Werder hatte deutlich mehr Ballbesitz, ließ im letzten Drittel aber zu häufig die nötige Genauigkeit vermissen.

Unter den 1.495 Zuschauer*innen im Lohrheidestadion waren auch viele stimmungsvolle Werderfans, die für eine deutlich hörbare grün-weiße Unterstützung sorgten und die Mannschaft durch das Pokalspiel begleiteten.

DFB-Pokal der Frauen | 1. Runde
VfL Bochum – SV Werder Bremen 0:1 (0:1)
Samstag, 26. September 2026 | Lohrheidestadion

Fünf Wechsel und ein besonderer Meilenstein

Cheftrainerin Fritzy Kromp veränderte ihre Startelf gegenüber dem 1:1 gegen den VfB Stuttgart auf fünf Positionen. Vanessa Fischer, Lilli Purtscheller, Medina Dešić, Sarah Gutmann und Jenny Hipp rückten in die Mannschaft. Für Jenny Hipp war es der erste Startelfeinsatz bei den WERDERFRAUEN. Julia Magerl fehlte krankheitsbedingt.

Im Mittelpunkt stand aber schon vor dem Anpfiff Michelle Ulbrich. Die Kapitänin absolvierte in Bochum ihr 300. Pflichtspiel für Werder und baute damit ihren vereinsinternen Rekord weiter aus. Dass sie diesen Meilenstein später noch mit dem entscheidenden Treffer krönen würde, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen.

Bochum macht Werder das Leben schwer

Werder versuchte von Beginn an, die Begegnung an sich zu ziehen. Bereits in der zweiten Minute kam Medina Dešić nach einem langen Ball von Michelle Weiß zum Abschluss, setzte die Kugel aus rund 14 Metern aber knapp über das Tor. Zwei Minuten später erreichte Lilli Purtscheller die Grundlinie und brachte den Ball an den Fünfmeterraum. Elena Dhont verpasste die Hereingabe in aussichtsreicher Position.

Es waren frühe Hinweise darauf, wo an diesem Nachmittag das Problem liegen würde. Werder kam über die Außen immer wieder nach vorne, doch die Hereingaben fanden zu selten eine Abnehmerin. Bochum stand tief, verteidigte mit großer Disziplin und wartete auf die wenigen eigenen Möglichkeiten.

Eine davon ergab sich nach einer Viertelstunde. Adrienne Jordan zog aus der Distanz ab, Vanessa Fischer war jedoch aufmerksam und parierte den flachen Schuss. Auf der anderen Seite köpfte Elena Dhont eine Hereingabe knapp am Tor vorbei.

Mit zunehmender Spielzeit verlagerte sich das Geschehen immer stärker in die Bochumer Hälfte. Die WERDERFRAUEN hatten viel Ballbesitz, fanden gegen die eng gestaffelte Defensive aber kaum Räume. Das Spiel wirkte phasenweise zäh, weil Werder zwar geduldig aufbaute, im entscheidenden Moment jedoch zu ungenau blieb.

Dass eine Bremer Führung keineswegs selbstverständlich war, zeigte die 31. Minute. Eine Bochumer Ecke flog an Freund und Feind vorbei und landete am Pfosten. Es war die gefährlichste Gelegenheit der Gastgeberinnen und zugleich eine deutliche Warnung: Solange Werder seine Überlegenheit nicht in Tore ummünzte, blieb diese Partie offen.

Michelle Ulbrich krönt ihr Jubiläum

In den Minuten vor der Pause erhöhte Werder noch einmal den Druck. Medina Dešić verpasste nach einer Hereingabe von Michelle Weiß den richtigen Abschluss, wenig später scheiterte Lilli Purtscheller aus spitzem Winkel nur knapp.

Als vieles bereits auf ein torloses Unentschieden zur Pause hindeutete, bekam dieser Nachmittag doch noch seine besondere Geschichte. Luna Vanzeir brachte in der 44. Minute eine Ecke von der rechten Seite an den zweiten Pfosten. Dort stieg Michelle Ulbrich völlig frei hoch und köpfte den Ball mit Wucht zum 1:0 ins Netz.

Ausgerechnet die Kapitänin. Ausgerechnet in ihrem 300. Pflichtspiel. Manchmal schreibt der Fußball seine Geschichten tatsächlich selbst.

Werder kontrolliert, entscheidet das Spiel aber nicht

Zur zweiten Halbzeit kam Marie Gmeineder für Jenny Hipp in die Partie. Werder setzte Bochum nun früher unter Druck und drängte auf das zweite Tor. Elena Dhont wurde nach einer Kombination über Juliane Wirtz und Lilli Purtscheller im Strafraum geblockt. Kurz darauf kam Purtscheller nach einer Flanke von Wiktoria Zieniewicz zum Abschluss, konnte dem Ball aus kurzer Distanz aber nicht genügend Druck mitgeben.

Auch Medina Dešić fehlten nach zwei Standards nur wenige Schritte. Die Angreiferin lauerte jeweils am zweiten Pfosten, erreichte den Ball jedoch nicht mehr entscheidend. Es war eine Phase, in der Werder die Begegnung klar kontrollierte, daraus aber erneut zu wenig machte.

Bochum gelang es zunächst kaum noch, sich aus der eigenen Hälfte zu befreien. Die Grün-Weißen eroberten verlorene Bälle schnell zurück und hielten den Druck hoch. Trotzdem blieb das 1:0 ein gefährlicher Spielstand. Ein abgefälschter Ball, eine weitere Ecke oder ein einziger Fehler hätten genügt, um die Partie wieder völlig zu öffnen.

Nach mehreren Wechseln fand Bochum etwas besser ins Spiel, ohne Vanessa Fischer ernsthaft prüfen zu können. Michelle Ulbrich war auch defensiv zur Stelle und verhinderte in der 65. Minute, dass Dörthe Hoppius nach einem Zuspiel bis zur Grundlinie durchbrechen konnte.

Fritzy Kromp brachte anschließend Tuana Mahmoud und Felicia Sträßer für Medina Dešić und Elena Dhont. Wenig später ersetzte Mei Shimada Luna Vanzeir. Die eingewechselte Marie Gmeineder hätte in der 75. Minute beinahe für die Vorentscheidung gesorgt. Sie erkannte, dass Bochums Torhüterin Kari Närdemann weit vor ihrem Tor stand, und versuchte es aus rund 30 Metern. Der Ball landete jedoch nur auf dem Tornetz.

In der Schlussphase blieb Werder das aktivere Team. Tuana Mahmoud ging nach einem Zweikampf im Bochumer Strafraum zu Boden, der Elfmeterpfiff blieb jedoch aus. Vier Minuten vor dem Ende bot sich Lilli Purtscheller noch einmal die große Gelegenheit zum 2:0. Nach einer Hereingabe von Sarah Gutmann fehlten ihr am Fünfmeterraum nur wenige Zentimeter.

So musste Werder bis in die Nachspielzeit konzentriert bleiben. Bochum warf noch einmal alles nach vorne, kam aber nicht mehr gefährlich zum Abschluss. Nach insgesamt 94 Minuten stand der knappe, aber verdiente Einzug in die nächste Pokalrunde fest.

Kein Pokalspektakel, aber die Aufgabe erfüllt

Nein, das war kein Spiel, über das wir noch tagelang wegen seiner fußballerischen Schönheit sprechen werden. Dafür fehlten Werder im Angriff die Klarheit, die Genauigkeit und letztlich auch das zweite Tor. Gegen einen kompakt verteidigenden Zweitligisten hätte die Mannschaft aus ihrer deutlichen Feldüberlegenheit mehr machen müssen.

Trotzdem sollte dieser Erfolg nicht kleiner geredet werden, als er ist. Pokalspiele haben ihre eigenen Gesetze, und gerade gegen einen Außenseiter kann eine vermeintlich klare Aufgabe schnell unangenehm werden. Werder blieb geduldig, ließ defensiv nur sehr wenig zu und verlor auch in der engen Schlussphase nicht die Ruhe. Zudem konnte Fritzy Kromp mehreren Spielerinnen wichtige Einsatzzeit geben.

Besonders erfreulich war der erste Startelfeinsatz von Jenny Hipp. Auch Vanessa Fischer nutzte ihre Chance und blieb bei ihrem ersten Pflichtspieleinsatz der Saison ohne Gegentor.

Über allem stand an diesem Nachmittag jedoch Michelle Ulbrich. 300 Pflichtspiele für einen Verein sind im heutigen Fußball alles andere als selbstverständlich. Hinter dieser Zahl stecken viele Jahre, unzählige Trainingseinheiten und zahlreiche gemeinsame Geschichten mit Werder. Dass die Kapitänin ihr Jubiläum mit dem entscheidenden Treffer krönte, hätte kaum besser passen können.

Im Pokal zählt am Ende vor allem eines: weiterkommen. Genau das haben die WERDERFRAUEN geschafft.

Spielstatistik

VfL Bochum – SV Werder Bremen 0:1 (0:1)

Tor:
0:1 Michelle Ulbrich (44., Kopfball nach Ecke von Luna Vanzeir)

SV Werder Bremen:
Vanessa Fischer – Wiktoria Zieniewicz, Michelle Ulbrich, Lilli Purtscheller (90.+1 Sarah Ernst), Medina Dešić (70. Tuana Mahmoud), Luna Vanzeir (77. Mei Shimada), Michelle Weiß, Jenny Hipp (46. Marie Gmeineder), Sarah Gutmann, Juliane Wirtz, Elena Dhont (70. Felicia Sträßer)

Gelbe Karten:
Antonia Haase, Ebla Gouriye / Juliane Wirtz, Medina Dešić, Tuana Mahmoud

Schiedsrichterin: Naemi Breier

Zuschauer*innen: 1.495

Weiter geht es in Leverkusen

Am Freitag, 2. Oktober 2026, sind die WERDERFRAUEN wieder in der Bundesliga gefordert. Um 18:30 Uhr tritt das Team von Fritzy Kromp bei Bayer 04 Leverkusen an.


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