Zur Pause führte Werder, obwohl Stuttgart die besseren Chancen gehabt hatte. Nach dem Ausgleich waren die WERDERFRAUEN dem Sieg nahe, doch ein zweites Tor fiel nicht. Das 1:1 hinterließ deshalb sehr unterschiedliche Gefühle. Besonders die offenen Worte von Fritzy Kromp und den Spielerinnen zeigen, wie sehr sie dieser Abend beschäftigt.
Nach dem Schlusspfiff war uns nicht nach einem schnellen Urteil. Die erste Halbzeit hatte Nerven gekostet, in der zweiten wuchs mit jeder Werder-Chance die Hoffnung auf mehr. Dieser Wechsel der Gefühle prägte den Montagabend auf Platz 11.
GOOGLE PIXEL FRAUEN-BUNDESLIGA · 5. SPIELTAG
SV Werder Bremen – VfB Stuttgart 1:1 (1:0)
Montag, 21. September 2026 · Platz 11 · 1.650 Zuschauer*innen
Nach dem Derby wartet eine andere Aufgabe
Die Bilder vom Derbysieg im Weserstadion waren noch frisch. Nun ging es auf Platz 11 gegen den VfB Stuttgart. Wir haben als Fans oft erlebt, dass gerade das Spiel nach einem solchen Höhepunkt besonders schwer sein kann. Die Eindrücke des Derbyabends tragen einen durch die Woche, aber sie gewinnen nicht den nächsten Zweikampf.
Dazu kam ein Gegner, bei dem die Bezeichnung „Aufsteiger“ leicht in die Irre führt. Stuttgart hatte aus den ersten vier Bundesligaspielen bereits sieben Punkte geholt. Im Kader stehen Spielerinnen, die diese Liga gut kennen und auch dann ruhig bleiben, wenn ein Spiel gegen sie läuft. Es war also schon vor dem Anpfiff klar, dass Werder für weitere Punkte einen konzentrierten Abend brauchen würde.
Zwei vertraute Gesichter auf der anderen Seite
Für uns als Fanclub hatte die Begegnung noch eine persönliche Seite. Reena Wichmann stand diesmal im Stuttgarter Trikot auf Platz 11. Wir haben sie über viele Jahre bei Werder begleitet, von ihren Nachwuchszeiten bis in die erste Mannschaft. Verena Wieder, die ebenfalls eine grün-weiße Vergangenheit hat, kam später für den VfB ins Spiel. Beide wiederzusehen, war schön und ungewohnt zugleich. Während der Partie galt unsere Unterstützung selbstverständlich den WERDERFRAUEN.
El Sherif bewahrt Werder vor dem Rückstand
Fritzy Kromp vertraute auf dieselbe Startelf wie beim 1:0 gegen den Hamburger SV. Mei Shimada hatte nach einem Freistoß von Luna Vanzeir die erste Werder-Chance, konnte den Ball aber nicht aufs Tor bringen. Danach gehörte die erste Hälfte über weite Strecken Stuttgart. Werder verlor viele zweite Bälle und fand im eigenen Spielaufbau selten die Ruhe, um sich aus dem Druck zu lösen.
Ein missglücktes Zuspiel eröffnete Nicole Billa den Weg zum Tor. Mariella El Sherif gewann das Duell mit der frei durchgebrochenen Stürmerin. Kurz darauf schoss Mira Arouna knapp vorbei. Auch gegen Dafina Redzepi war El Sherif zur Stelle, den Abpraller klärte Michelle Ulbrich vor der Linie. Als Chantal Hagel anschließend aus der Distanz die Latte traf, hatten die Gäste genügend Möglichkeiten für eine Führung gehabt.
An El Sherif lag es, dass Werder weiter auf ein eigenes Tor hoffen durfte. Sie war nicht nur bei den großen Chancen da. Ihre Präsenz gab der Mannschaft die Zeit, die sie brauchte, um doch noch einen Weg in diese erste Hälfte zu finden.
Shimada nutzt Werders Moment
Kurz vor der Pause fing Isabella Jaron einen Befreiungsschlag von VfB-Torhüterin Laura Giuliani ab. Sie sah Mei Shimada einlaufen und spielte den Ball zu ihr. Giuliani hielt den ersten Versuch, doch Shimada setzte nach und traf zum 1:0 (41.).
Natürlich haben wir über dieses Tor gejubelt. Zugleich blieb das Gefühl, dass Werder mit der Führung ausgesprochen gut bedient war. Luna Vanzeir hatte in der Nachspielzeit noch die Gelegenheit, den Vorsprung auszubauen, fand im Strafraum aber nicht rechtzeitig den Abschluss. So ging es mit einem 1:0 in die Kabinen, das niemanden über die Probleme zuvor hinwegtäuschen konnte.
Chancen auf beiden Seiten, das Tor für Stuttgart
Nach Wiederanpfiff war sofort Bewegung im Spiel. Erst wehrte Mariella El Sherif einen Schuss von Maxi Rall mit dem Fuß ab. Im Gegenzug tauchte Michelle Weiß nach einem starken Pass von Isabella Jaron vor Laura Giuliani auf. Ihr Heber wäre beinahe im Tor gelandet, doch die Stuttgarter Torhüterin lenkte den Ball noch an die Latte.
Für einen Augenblick schien das 2:0 greifbar. Dann überspielte Stuttgart Werders Pressing. Mira Arouna kam frei durch und traf mit einem Heber zum 1:1 (52.). Nach der ersten Hälfte war der Ausgleich verdient. Für Werder kam er trotzdem in einem bitteren Moment, weil die Mannschaft gerade deutlich besser in die Partie gefunden hatte.
Werder will sich den Sieg noch holen
Die WERDERFRAUEN blieben nach dem Gegentor mutig. Luna Vanzeir zog nach einer kurz ausgeführten Ecke ab, Laura Giuliani wehrte auf der Linie ab. Wenig später legte Elena Dhont für Isabella Jaron zurück, deren Abschluss nicht richtig gelang. Auch Vanzeir kam noch einmal im Strafraum zum Schuss, diesmal ohne Giuliani ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen.
Stuttgart musste nun mehr verteidigen. Werder brachte den Ball häufig in die Nähe des Strafraums und erarbeitete sich zahlreiche Standardsituationen. Der letzte präzise Pass fehlte allerdings zu oft, und der VfB klärte die Hereingaben aufmerksam. Noch einmal kam Vanzeir nach einer Flanke von Tuana Mahmoud zum Kopfball, doch auch daraus wurde kein zweites Tor. Werder hatte sich nach der Pause ins Spiel gearbeitet und fand am Ende keinen Weg mehr an Stuttgart vorbei.
Jenny Hipp gibt ihr Pflichtspieldebüt
In der zweiten Hälfte gab es für Jenny Hipp einen besonderen Moment: Sie wurde eingewechselt und stand erstmals in einem Pflichtspiel für die WERDERFRAUEN auf dem Platz. Hipp kam in eine Partie, in der Werder gerade auf den Sieg drängte. Für ihren ersten Einsatz hatte sie sich drei Punkte vor heimischer Kulisse gewünscht. Dass es am Ende nur einer wurde, beschäftigte sie nach Abpfiff spürbar.
Klare Worte nach dem Abpfiff
Fritzy Kromp suchte nach dem Spiel keine Ausflüchte. Sie sprach offen darüber, wie wenig Werder in den ersten 30 Minuten gelungen war und wie wichtig Mariella El Sherif in dieser Phase gewesen ist. Juliane Wirtz sah die vielen Flüchtigkeitsfehler und den Verlust der Ordnung ähnlich kritisch. Beide wussten zugleich, dass Werder nach der Pause Chancen hatte, die Partie noch zu gewinnen.
Jenny Hipp hielt das Unentschieden über die gesamten 90 Minuten für gerecht. Gut fühlte es sich für sie trotzdem nicht an. Auch Juliane Wirtz dachte an die Fans, die die Mannschaft an diesem Montagabend unterstützt hatten und mit denen sie gern einen Sieg gefeiert hätte. Diese Enttäuschung müssen wir den Spielerinnen nicht ausreden. Sie wissen selbst, was in der ersten Hälfte fehlte und was in der zweiten möglich gewesen wäre. Die ausführlichen Stimmen gibt es bei Werder.
Unser Fazit
Die WERDERFRAUEN hatten vor der Pause Glück und nach der Pause gute Gründe, sich über den verpassten Sieg zu ärgern. Deshalb ist das 1:1 über das ganze Spiel gesehen gerecht, auch wenn es sich unmittelbar nach Abpfiff nicht zufriedenstellend anfühlte. Die schwachen ersten 30 Minuten gehören genauso zu diesem Abend wie die Reaktion nach Stuttgarts Ausgleich.
Stuttgart hat dabei gezeigt, weshalb wir diesen Aufsteiger schon vor der Partie ernst genommen haben. Nach vergebenen Chancen und Werders Führung verlor der VfB nicht die Ruhe. Wir trauen dieser Mannschaft zu, sich in der Bundesliga im Mittelfeld festzusetzen. Das schmälert die Kritik an Werders Beginn nicht. Es macht aber deutlich, gegen wen die Grün-Weißen an diesem Montag gespielt haben.
1.650 Zuschauer*innen waren auf Platz 11. Montagsspiele erschweren vielen Fans weiterhin den Stadionbesuch, und an unserer Kritik an solchen Ansetzungen ändert sich nichts. Umso mehr danken wir allen, die die WERDERFRAUEN vor Ort unterstützt haben. Zehn Punkte aus fünf Bundesligaspielen bleiben ein guter Start. Zugleich nehmen wir ernst, dass Trainerin und Spielerinnen mit diesem Auftritt nicht zufrieden sind.
Spielstatistik
WERDERFRAUEN:
El Sherif – Weiß, Ulbrich, Magerl (62. Gutmann), Zieniewicz – Wirtz – Dhont (62. Purtscheller), Vanzeir (84. Dešić), Gmeineder (62. Hipp), Jaron – Shimada (75. Mahmoud)
Tore: 1:0 Mei Shimada (41.), 1:1 Mira Arouna (52.)
Gelbe Karten: Werder: Gmeineder, Jaron · Stuttgart: Hirano
Schiedsrichterin: Lara Wolf · Zuschauer*innen: 1.650
Weiter geht es im DFB-Pokal
Am Samstag, 26. September, um 16 Uhr spielen die WERDERFRAUEN im Lohrheidestadion gegen den VfL Bochum. Wer die Mannschaft in Wattenscheid unterstützen möchte, findet hier Tickets für das Pokalspiel:
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