Manche Siege bringen nicht nur drei Punkte. Sie schenken Bilder und Gefühle, die lange bleiben. Vor 26.814 Zuschauer*innen gewannen die WERDERFRAUEN das Nordderby gegen den Hamburger SV mit 1:0. Isabella Jaron erzielte kurz nach der Pause das entscheidende Tor und verwandelte das Weserstadion endgültig in eine grün-weiße Festung.
Ein Abschied, der unter die Haut ging
Der erste hochemotionale Moment dieses besonderen Abends ereignete sich bereits rund 15 Minuten vor dem Anpfiff. Lina Hausicke wurde offiziell verabschiedet. Die langjährige Kapitänin hat Werder über viele Jahre geprägt und war weit mehr als nur eine Spielerin auf dem Platz. Entsprechend spürbar waren die Emotionen bei ihrem Abschied.
In den vergangenen Tagen hatten sich viele gefragt, wie die Mannschaft mit ihrem Wechsel zu Union Berlin umgehen würde. Die Antwort gab das Team wenig später auf dem Rasen: geschlossen, füreinander und mit ganz viel Herz. Angeführt von der neuen Kapitänin Michelle Ulbrich rückten die Spielerinnen noch enger zusammen.
Das Weserstadion wird zur Festung
Schon vor dem Anpfiff lag etwas Besonderes in der Luft. Fahnen, Gesänge und diese Vorfreude, die nur ein Nordderby auslösen kann: Das Weserstadion war bereit und die Mannschaft war es ebenfalls.
Die 26.814 Menschen auf den Rängen begleiteten jeden Zweikampf, jeden Ballgewinn und jeden Bremer Angriff leidenschaftlich. Wenn es auf dem Platz einmal schwierig wurde, kam die Unterstützung von den Tribünen. Spätestens nach dem Führungstreffer bebte das Stadion. Aus einem Heimspiel wurde ein gemeinsamer grün-weißer Abend.
Dhont rückt in die Startelf
Cheftrainerin Fritzy Kromp veränderte ihre Anfangsformation im Vergleich zur bitteren 2:3-Niederlage beim VfL Wolfsburg auf einer Position. Elena Dhont rückte für Lilli Purtscheller in die Startelf. Chiara D’Angelo fehlte weiterhin aufgrund ihrer Fußverletzung.
Besonders erfreulich war der Blick auf die Ersatzbank. Rund ein Jahr nach ihrem Kreuzbandriss gehörte Tuana Mahmoud erstmals wieder zum Kader. Auch Felicia Sträßer nahm nach ihrer Verletzungspause wieder im Aufgebot Platz. Jenny Hipp stand ebenfalls im Kader.
Mariella El Sherif – Wiktoria Zieniewicz, Julia Magerl, Michelle Ulbrich, Michelle Weiß – Marie Gmeineder, Juliane Wirtz – Elena Dhont, Luna Vanzeir, Isabella Jaron – Mei Shimada
Vanessa Fischer, Lilli Purtscheller, Medina Dešić, Tuana Mahmoud, Elena Mühlemann, Felicia Sträßer, Jenny Hipp, Sarah Ernst und Sarah Gutmann
Der HSV beginnt mutig, Werder wird gefährlicher
Der HSV erwischte zunächst den etwas besseren Start. Die Gäste gingen entschlossen in die Zweikämpfe und versuchten, Werder früh unter Druck zu setzen. Leila Peneau setzte einen ersten Abschluss über das Tor, später fing Mariella El Sherif einen Freistoß von Svea Stoldt sicher ab.
Werder brauchte einige Minuten, fand dann aber zunehmend besser in die Partie. Mei Shimada verfehlte das Tor nur knapp, Elena Dhont traf nach einem Vorstoß über die rechte Seite das Außennetz. Nach einer Ecke von Luna Vanzeir schoss Michelle Ulbrich über den Kasten.
Das Derby blieb umkämpft und spielte sich lange zwischen den Strafräumen ab. Die beste Gelegenheit der ersten Hälfte hatte Werder kurz vor dem Pausenpfiff: Nach einem ruhenden Ball von Vanzeir nahm Juliane Wirtz den Ball direkt, setzte ihren Abschluss jedoch knapp über das Tor. So ging es mit einem 0:0 in die Kabinen.
Jaron köpft Werder vor der Ostkurve ins Glück
Aus der Pause kamen die WERDERFRAUEN mit deutlich mehr Zug zum Tor. Bereits in der 47. Minute setzte sich Isabella Jaron bis zur Grundlinie durch und legte für Elena Dhont zurück. Die Belgierin scheiterte aus kurzer Distanz noch an HSV-Torhüterin Katarzyna Szemik.
Wenig später gab es kein Halten mehr. Luna Vanzeir brachte eine Ecke präzise in den Strafraum, Isabella Jaron stieg hoch und köpfte den Ball zum 1:0 ins Netz (50.). Dass ausgerechnet Jaron, die seit ihrer Kindheit Werderfan ist, das Nordderby vor der Ostkurve entschied, machte diesen Treffer noch besonderer. Im Weserstadion entlud sich die ganze Anspannung dieses Abends.
El Sherif und die Defensive halten stand
Der HSV musste nun mehr riskieren und drängte auf den Ausgleich. Werder verteidigte die Führung jedoch mit großer Leidenschaft. Michelle Ulbrich und ihre Nebenleute warfen sich in die Zweikämpfe, während Mariella El Sherif die nötige Ruhe ausstrahlte.
In der 69. Minute wurde es noch einmal richtig gefährlich. Nach einer Hamburger Ecke parierte El Sherif einen Kopfball aus kurzer Distanz stark und bewahrte ihre Mannschaft vor dem Ausgleich. Werder blieb aufmerksam und hielt dem zunehmenden Druck stand.
In der 76. Minute ersetzte Lilli Purtscheller die Torschützin Isabella Jaron. Zehn Minuten später kam Medina Dešić für Mei Shimada in die Partie.
Felicia Sträßer feiert ihr Pflichtspieldebüt
In der 86. Minute begann auch für Felicia Sträßer ein neuer Abschnitt. Die Abwehrspielerin kam für Elena Dhont in die Partie und feierte damit ihr Pflichtspieldebüt für die WERDERFRAUEN.
Nach ihrer Bänderverletzung, die sie sich ausgerechnet im letzten Vorbereitungsspiel gegen den HSV zugezogen hatte, musste Sträßer auf diesen Moment warten. Nun durfte sie ihre ersten Pflichtspielminuten im Werder-Trikot erleben: in einem Nordderby, unter Flutlicht und vor 26.814 Menschen im Weserstadion.
Tuana Mahmoud ist zurück
Als die Nachspielzeit bereits lief, kam einer der emotionalsten Momente dieses Abends. Tuana Mahmoud machte sich an der Seitenlinie für ihre Einwechslung bereit. In der 90.+3 Minute ersetzte sie Luna Vanzeir und stand damit erstmals seit ihrem Kreuzbandriss wieder in einem Pflichtspiel auf dem Platz.
Es waren am Ende nur wenige Spielminuten, doch darum ging es in diesem Moment nicht. Hinter Mahmoud lag ein Jahr voller Reha, Geduld und harter Arbeit. Ihre Rückkehr war deshalb weit mehr als eine gewöhnliche Einwechslung. Tuana Mahmoud war endlich wieder da.
Spielerinnen und Fans feiern gemeinsam
Wenig später kam der Abpfiff. Die Spielerinnen jubelten gemeinsam auf dem Rasen, während auf den Rängen alle Dämme brachen. Werder hatte das Nordderby gewonnen.
Doch dieser Abend endete nicht mit dem Schlusspfiff. Die Mannschaft ging vor die Ränge und feierte den Derbysieg dort ausgiebig mit den Fans. Die Spielerinnen blieben auf dem Rasen, die Anhänger*innen auf den Tribünen, doch gemeinsam wurde gesungen, gesprungen und dieser besondere Erfolg genossen.
Genau diese Bilder bleiben: die Mannschaft vor den feiernden Fans und ein Weserstadion, das an diesem Abend zu einer grün-weißen Festung wurde.
Unser Fazit
Es war nicht über die gesamten 90 Minuten ein spielerisches Feuerwerk. Dafür war dieses Derby zu eng, zu umkämpft und stellenweise zu zerfahren. Doch Werder zeigte Zusammenhalt, Geduld und Widerstandskraft. Die Mannschaft nutzte ihre Chance, verteidigte die Führung leidenschaftlich und ließ sich von der Atmosphäre tragen.
Nach dem schmerzhaften Ende in Wolfsburg war dieser Sieg die richtige Antwort. Neun Punkte aus vier Spielen sind ein starker Saisonstart. Noch wichtiger ist jedoch das Gefühl, das von diesem Abend bleibt: Dieses Team steht zusammen, entwickelt sich weiter und ist bereit, füreinander an die Grenzen zu gehen.
Der Abschied von Lina Hausicke hinterlässt eine Lücke. Vergessen lässt er sich nicht, aber gemeinsam lässt er sich tragen. Genau das haben Mannschaft und Fans an diesem Abend gezeigt.
Spielstatistik
WERDERFRAUEN:
El Sherif – Zieniewicz, Magerl, Ulbrich, Weiß – Gmeineder, Wirtz – Dhont (86. Sträßer), Vanzeir (90.+3 Mahmoud), Jaron (76. Purtscheller) – Shimada (86. Dešić)
Ersatzbank:
Fischer, Purtscheller, Dešić, Mahmoud, Mühlemann, Sträßer, Hipp, Ernst und Gutmann
Tor:
1:0 Jaron (50.)
Schiedsrichterin:
Davina Lutz
Zuschauer*innen:
26.814
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