Lebenslang Grün-Weiß

Nicht glänzend, aber wichtig: U19 bleibt nach 1:1 gegen Polen im Rennen

Nach dem klaren 5:0-Auftaktsieg gegen Bosnien-Herzegowina musste die deutsche U19 im zweiten Gruppenspiel der Europameisterschaft deutlich mehr arbeiten. Gegen Polen reichte es am Ende zu einem 1:1. Das Ergebnis war nach zwei sehr unterschiedlichen Halbzeiten insgesamt nachvollziehbar: Polen war vor der Pause wacher und griffiger, Deutschland steigerte sich nach dem Seitenwechsel deutlich.

Schon vor dem Anpfiff gab es einen besonderen Moment. Die deutsche Mannschaft sendete mit dem Trikot von Zoe Schick einen Gruß an ihre verletzte Mitspielerin, die im Auftaktspiel gegen Bosnien-Herzegowina früh ausgewechselt werden musste. Ein starkes Zeichen des Teams.

Sportlich war die Ausgangslage in Gruppe A klar: Deutschland war mit einem 5:0 gegen Bosnien-Herzegowina gestartet, Polen hatte zum Auftakt knapp mit 0:1 gegen Schweden verloren. Dazu hatte Schweden am zweiten Spieltag bereits deutlich mit 5:0 gegen Bosnien-Herzegowina gewonnen. Für Deutschland ging es also darum, sich vor dem letzten Gruppenspiel gegen Schweden eine gute Ausgangsposition zu verschaffen. Polen dagegen brauchte dringend Punkte, um im Turnier zu bleiben.

Genau diese Entschlossenheit war den Polinnen von Beginn an anzumerken. Polen agierte im 4-5-1, machte das Zentrum eng, presste früh und war in vielen Situationen gedankenschneller. Deutschland, das erneut im 3-4-3 begann, hatte große Probleme, Ruhe in den eigenen Aufbau zu bekommen. Zu viele Fehlpässe, zu wenig klare Seitenverlagerungen und defensiv einige ungenaue oder zu passive Momente prägten die erste Halbzeit.

Bereits nach wenigen Minuten hatte Polen die ersten Möglichkeiten. In der 17. Minute musste Marie Gmeineder in höchster Not klären, wenig später rettete Lenelotte Müller zur Ecke. Deutschland kam erst nach und nach etwas besser ins Spiel, blieb aber im letzten Drittel lange zu ungenau. Auffällig war zudem, dass die DFB-Auswahl sehr häufig über die linke Seite oder durch die Mitte spielte. Die rechte Seite mit Felicia Sträßer als rechter Schienenspielerin wurde zu selten konsequent eingebunden.

In der 33. Minute fiel dann die polnische Führung. Nach einer kurz ausgeführten, offenbar einstudierten Ecke spielte Polen die Situation schnell aus. Świrska bereitete vor, Oliwia Związek traf zum 1:0. Zu diesem Zeitpunkt war die Führung nicht unverdient, weil Polen bis dahin die klareren Aktionen hatte und Deutschland immer wieder unter Druck setzte.

Die beste deutsche Annäherung vor der Pause gab es in der 40. Minute. Eine Ecke von links wurde direkt gefährlich aufs Tor gezogen, der Ball streifte die Latte und ging anschließend ins Aus. Kurz vor der Halbzeit musste Janne Krumme noch einmal stark retten, als eine polnische Spielerin frei vor ihr auftauchte. So blieb es zur Pause beim 0:1 aus deutscher Sicht.

Nach dem Seitenwechsel kam Deutschland zunächst unverändert aus der Kabine, wirkte aber aktiver. In der 53. Minute hatte Tessa Zimmermann eine erste gute Möglichkeit, ihr Abschluss kam jedoch zu zentral. Fast im direkten Gegenzug wurde Polen wieder gefährlich, doch Janne Krumme hielt Deutschland erneut im Spiel.

In der 56. Minute probierte es Helen Börner aus der Distanz, die polnische Torhüterin konnte zur Ecke abwehren. Diese Ecke brachte dann den Ausgleich: Lenelotte Müller trat den Ball, Tessa Zimmermann war zur Stelle und traf in der 57. Minute zum 1:1. Direkt danach wurde Zimmermann ausgewechselt, Leni Eggert kam neu in die Partie. Ebenfalls in der 58. Minute kam Paula Rintzner für Laila Portella.

Deutschland war nun deutlich besser im Spiel. In der 60. Minute hatte Lenelotte Müller sogar fast das 2:1 auf dem Fuß, ihr Schuss wurde aber abgewehrt. Polen reagierte mit einem Doppelwechsel und blieb vor allem über Umschaltmomente gefährlich. In der 69. Minute kam mit Lina Száraz eine ehemalige Werder-Spielerin für Mia-Lena Maas in die Partie.

Die Schlussphase entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch. Beide Teams spielten nun direkter, die Räume wurden größer und es gab Chancen auf beiden Seiten. Deutschland drückte phasenweise auf die Führung, Polen blieb aber jederzeit gefährlich. In der 77. Minute hatte Paula Rintzner noch eine gute Möglichkeit, ihr Abschluss kam jedoch zu zentral und war für die polnische Torhüterin haltbar. Marie Gmeineder blieb bis in die Schlussphase auf dem Platz und wurde in der 85. Minute ausgewechselt.

Aus Werder-Sicht standen mit Felicia Sträßer und Marie Gmeineder erneut zwei Spielerinnen mit grün-weißem Bezug in der Startelf. Sträßer wurde als rechte Schienenspielerin allerdings lange zu selten eingebunden, weil Deutschland das Spiel häufig über links oder durch die Mitte suchte. Gmeineder war vor allem in der schwierigen ersten Halbzeit defensiv stark gefordert und klärte früh in höchster Not. Maria Penner gehörte diesmal nicht zum deutschen Spieltagskader.

Am Ende steht ein 1:1, mit dem Deutschland nach der schwachen ersten Halbzeit leben kann. Polen zeigte über weite Strecken ein sehr unangenehmes, intensives Spiel und verlangte der DFB-Auswahl deutlich mehr ab als Bosnien-Herzegowina zum Auftakt. Deutschland steigerte sich nach der Pause, fand mehr Druck und kam verdient zum Ausgleich.

Der Blick auf die bisherigen Ergebnisse in Gruppe A zeigt die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag: Deutschland war mit einem klaren 5:0 gegen Bosnien-Herzegowina gestartet, Polen hatte zum Auftakt knapp mit 0:1 gegen Schweden verloren. Am zweiten Spieltag setzte Schweden mit einem 5:0 gegen Bosnien-Herzegowina ebenfalls ein deutliches Zeichen, während Deutschland gegen Polen nicht über das 1:1 hinauskam.

Damit ist Schweden vor dem letzten Gruppenspiel bereits sicher weiter, Bosnien-Herzegowina dagegen sicher ausgeschieden. Für Deutschland geht es nun am Freitag, 03. Juli 2026, um 17:00 Uhr gegen Schweden. Parallel trifft Polen auf Bosnien-Herzegowina. Deutschland hat den Halbfinaleinzug weiter in der eigenen Hand, muss gegen die bereits qualifizierten Schwedinnen aber deutlich stabiler auftreten als über weite Strecken gegen Polen. Klar ist: Im Aufbau braucht es mehr Ruhe, konsequentere Seitenwechsel und mehr Präzision im letzten Drittel.

Gruppe A – Tabelle nach dem 2. Spieltag

Pl.
Team
Sp.
S
U
N
Tore
Diff.
Pkt.
1.
Schweden
2
2
0
0
6:0
+6
6
2.
Deutschland
2
1
1
0
6:1
+5
4
3.
Polen
2
0
1
1
1:2
-1
1
4.
Bosnien-Herzegowina
2
0
0
2
0:10
-10
0


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